Meine Selbständigkeit 2020 – Anstrengend, komisch und wenig ertragreich

Von | 19. Februar 2021
Robert schläft
2020 – Anstrengend, komisch und wenig ertragreich

Nachdem ich über das Jahr 2019 noch recht euphorisch berichtet und gehofft habe, den Schwung in 2020 mitzunehmen, sitze ich jetzt doch wieder ein wenig genervt hier und muss mir doch irgendwie selbst klarmachen, dass 2020 schon auch irgendwie erfolgreich war, damit ich nicht gleich das Handtuch schmeiße.

Denn es ist tatsächlich viel passiert und auch viel Positives, trotzdem stimmt mich das Jahr nicht zufrieden. Man kann es auch erkennen, dass auf Plötzlich-Selbständig recht wenig passiert ist, obwohl der Plan ein ganz anderer war.

Corona ging auch an mir nicht vorbei

Anfang des Jahres habe ich mich hauptsächlich mit Nachrichtenmeldungen auf Blog2Help und Plötzlich-Selbständig beschäftigt, weil ich Reichweite in den sozialen Medien generieren wollte. Das hat auch halbwegs geklappt, bis dann Corona kam. Hier wollte ich eigentlich das Informationsportal für Selbständige in der Krise werden.

Doch ich hab schnell gemerkt, dass das Thema heiß und sehr komplex ist, aber das war nicht alles. Tatsächlich sind auch bei mir beim ersten Lockdown die Aufträge und Bestellungen auf 0 gegangen. Manche Wartungsverträge wurden gekündigt, bzw. bis heute ausgesetzt.

Schlimmer war allerdings, dass ein langjähriger Partner unabhängig von Corona, Mitte Januar insolvent gegangen ist und mir dadurch nicht nur 8.000 Euro flöten gegangen sind, sondern wir hatten noch ein Projekt mit einer kleinen fünfstelligen Fördersumme, das dadurch auch nicht realisiert werden konnte. Das wäre eigentlich mein Lichtblick für 2020 gewesen, aber so wurde es zum Nackenschlag.

Ich habe mir dann die Soforthilfe in Bayern geholt und befürchte bis heute, dass ich sie zurückzahlen muss. Dann hätte ich aber echt bald kein Bock mehr auf die Selbständigkeit. Aber wenn es soweit kommt, werde ich anderweitig hier abkotzen.

Ehrlich gesagt war ich dann vermutlich wie viele, ein paar Wochen in einer Art Schockstarre. Ich hab zwar viel mit Kunden und Freunden gesprochen, aber so richtig produktiv wurde ich erst wieder im Mai.

Plötzlich-Podcaster

Im Mai habe ich mit meinem sehr guten Kumpel Berthold den Podcast Plötzlich-Podcaster gegründet. Da er Künstler ist, hat ihn die Corona-Krise auch hart getroffen und wir wollten grundsätzlich über Selbständigkeit reden. Anfangs vor allem über die Soforthilfen.

Das ist auch erst einmal sehr gut angelaufen. Jetzt haben wir uns auf einer hohen zweistelligen Abrufzahl eingependelt. Das Projekt macht mir sehr viel Spaß. Ich schreibe zwar gerne, aber beim Reden kann man doch viel mehr ausdifferenzieren und die Dynamik innerhalb von Gesprächen gefällt mir sehr.

Berthold und Robert bei der Podcastbesprechung
Berthold und ich beim Brainstormen für den Podcast. Quelle: @bertholdtenor

Weshalb wir noch weiter an dem Projekt feilen werden und hoffentlich unsere Reichweite noch enorm ausbauen können.

Trotzdem ist es aufwendiger als gedacht. Nicht nur die Aufnahme kostet Zeit und Recherche, die Post-Produktion kostet circa 2 Stunden Zeit. Das ist schon nicht ohne.

Plötzlich-Selbständig: statt Wachstum, Flaute

Nachdem die Lage im August noch nicht viel besser wurde, vor allem für Berthold, versuchte ich mein Netzwerk zu aktivieren. Ich konnte Tom (aufmerksame Leserinnen und Leser wissen, dass ich mit ihm das Büro teile und er mein wichtigster Geschäftspartner und ein wichtiger Freund ist) dafür begeistern, ein bisschen in Plötzlich-Selbständig zu investieren.

Konkret sollte Berthold mich redaktionell unterstützen, damit wir Reichweite vor allem auch in Linkedin aufbauen und so unsere Business-Tech-Angel-Idee pushen.

Die Business-Tech-Angel-Idee war, dass wir in Ideen investieren und auch helfen sie umzusetzen und dann mit unserer Reichweite schon die ersten Interessenten und Kunden ansprechen können, die dann das Produkt oder die Dienstleistung kaufen.

Die Umsetzung scheiterte recht schnell, unter anderem, weil Berthold merkte, dass das nicht seiner Leidenschaft entspricht und er sich zurecht wieder mehr auf seine Gesangskarriere fokussieren möchte.

Ich habe es versucht zu kompensieren, das gelang mir aber nicht lange. So habe ich den Deal mit Tom leider platzen lassen müssen. Die Business-Tech-Angel-Idee verfolgten wir aber weiterhin. Allerdings habe ich die Werbung dafür heute von der Webseite genommen. Es kamen zwar ein- zwei gute Ideen rein, die aber im gesamten nicht für mich passten. Aber in der Summe lockte es einige “Ich hab da mal ne Idee, mach du mal, bekommst auch 50 %” Menschen an. Darüber werde ich aber auch noch bloggen.

Außerdem hätte ich stand heute vermutlich nicht die Kapazitäten, die Business-Tech-Angel-Idee weiterzutreiben, sollte ein geiles Vorhaben eintrudeln. Die Idee ist zwar nicht ganz gestorben, jetzt aber erst einmal zurückgestellt.

RegSoft / Kundenaufträge

Es wurde also langsam knapp im Geldbeutel, weshalb ich sehr froh war, dass sich einige neue Aufträge Ende des Jahres auftaten, als alle dachten, einen harten Lockdown wird es nicht mehr geben. Da hat man deutlich gemerkt, dass die Investitionen wieder anstiegen.

Gemeinsam mit meiner Werkstundentin haben wir den Onlineshop Vanook fertiggestellt und von einer anderen Partnerfirma habe ich ein CMS-Tool für eine spezielle Art von Vereinen (Vereine für krebskranke Kinder, die Elternhäuser betreiben) übernommen und konnte hier noch Umsatz durch einen Lizenzverkauf und eine individuelle Entwicklung generieren.

Auch die Lizenzverkäufe meiner anderen Partnerfirma stabilisierten sich, sodass ich dort auch wieder Aufträge erhielt. Durch Plötzlich-Selbständig habe ich auch noch zwei Auftraggeber gefunden, die immer mal wieder was wollten und so meinen Umsatz stabilisiert haben.

Alles in allem ein guter Jahresausgang, wenn die drei andern Quartale nicht gewesen wären, wäre es wohl das beste finanzielle Jahr meiner Selbständigkeit geworden.

Trotzdem stehe ich gerade vor einer dummen Steuerrückzahlung von 2019, die ich so nicht am Schirm hatte. Das muss ich jetzt irgendwie zusammenkratzen. Stunden und die Probleme noch weiter rausschieben möchte ich nicht, da mein KfW-Kredit vom Anfang der Selbständigkeit auch nicht merklich schrumpft.

Blog2Help / Postkartenprotest

2019 habe ich mit einer Content-Offensive versucht meine Reichweite auf Blog2Help in den Sozialen-Medien zu steigern. Das hat auch ganz gut geklappt und ich habe dort mittlerweile eine nette Community. Allerdings habe ich mir natürlich eine viel größere Reichweite gewünscht, weil ich schon das Gefühl habe, dass ich qualitativ hochwertigeren Content liefere, wie zum Beispiel Utopia, die irgendwann zufällig eine ähnliche Content-Strategie fuhren wie ich, nur halt mit einer Redaktion im Rücken.

Es war auch sehr toll zu sehen, dass mich einige Menschen unterstützen mit Einmalspenden, regelmäßigen Spenden oder gar Daueraufträge. Aber das ist halt in Summe maximal zwei Programmierstunden im Monat für mich. Das motiviert mich zwar schon, aber mein Konto schmilzt trotzdem so schnell wie das Eis in der Arktis.

Deshalb habe ich mir mit Postkartenprotest eine Mischung aus Produkt und Dienstleistung ausgedacht, die zu der Zielgruppe passen könnte.

Ich erstelle zu gewissen Themen Protesttexte, die kann man auf die Postkarten kleben und seinen Abgeordenten im Bundestag, Landtag oder Europaparlament senden, je nach Thema und Regionalität.

Man kann sich dazu bei mir Planko-Postkarten bestellen, um den Text selber aufzukleben, oder man lässt die Postkarte von mir “as a Service” an einen Abgeordneten seiner präferierten Partei versenden.

Das hat auch am Anfang mit einer Postkarte über erneuerbare Energien auch ganz gut geklappt. Die Postkarte für generell mehr Umwelt-, Arten- und Klimaschutz ist auch immer mal wieder bestellt worden. Danach folgten aber zwei Rohrkrepierer. Angesichts des großen Aufwands, eine Postkarte zu erstellen und zu veröffentlichen, war das schon ernüchternd.

Insgesamt habe ich es aber auch bei Blog2Help nicht geschafft, genug Content beizusteuern, um dauerhaft erfolgreich zu sein. Nicht zuträglich waren auch die 60 Tage-Sperren in Facebook, die ich natürlich für ungerechtfertigt halte und meinen Verkauf quasi auf 0 gebracht haben.

Vor allem deprimierend war die Postkarte für bessere Hilfen für (Solo-)Selbständige, die ich erstellt habe. Die wurde nur von zwei Bekannten bestellt. Das führte mir dann vor Augen, wie schlecht es eigentlich um die Reichweite bei Plötzlich-Selbständig und Plötzlich-Podcaster bestellt ist.

Prinzipiell halte ich die Idee aber immer noch für sehr gut und sie passt auch zu meiner Überzeugung, dass Basisdemokratie wichtig ist. Was mich zum nächsten Punkt bringt.

Politik

Mit dem Volksbegehren Artenvielfalt in Bayern habe ich mich mit der ÖDP Regensburg auch politisch engagiert. Durch sehr tolle Leute wurde ich mehr und mehr in Parteipolitik hineingezogen. Das führte dazu, dass ich in der Kommunalwahl 2020 mit einem mittleren Listenplatz angetreten bin.

Wir haben auch einen sehr guten Wahlkampf geführt und haben mit nur (ich glaube) 13 Wahlzettel-Stimmen (also ein komplettes Kreuz für die ÖDP) einen fünften Stadtratsplatz verpasst. Das war enorm ärgerlich, zeigte aber auch das Potentzal der ÖDP in Regensburg.

Robert Fischer ÖDP Regensburg
Meine Rede bei der Aufstellungsversammlung des Bundestagskandidaten

Durch mein Engagement wurde ich zum Delegierten für den Bundesparteitag in Suhl gewählt und habe dort mal Bundespolitikluft geschnuppert und eine coole Zeit trotz Coronaauflagen gehabt. Dadurch habe ich mich auch mit vielen coolen Leuten vernetzt.

Doch damit nicht genug. Mittlerweile wurde ich zum Direktkandidaten für unseren Landkreis und die Stadt Regensburg für die kommende Bundestagswahl gewählt. Das wird mich einiges an Zeit kosten, aber ich hoffe, ich kann Synergieeffekte, vor allem mit Blog2Help schaffen.

Außerdem sind mir meine politischen Themen zur Selbständigkeit, Gemeinwohlökonomie und natürlich zum Klima-, Arten- und Umweltschutz so wichtig, dass ich die Chance ergreifen wollte, wenn sie sich bietet.

Turmfunk / 1889fm

Der Turmfunk ist das Fanradio des 2. Ligisten SSV Jahn Regensburg und 1889fm der passende Podcast dazu. Beides habe ich mitgegründet. Wir sind zwar eine ich glaub 8-Mann starke Gruppe, doch leider hatte der Host vom Podcast keine Zeit mehr und ich habe das auch noch übernommen, damit das Projekt nicht stirbt. Was mit der Produktion des Podcasts einhergeht.

Jetzt im Lockdown haben wir das Programm noch ausgebaut und bieten vor dem Spiel Fakten in Videoform an und nach dem Spiel eine Liveschalte, in der ich mich mit jemand anderem über das Spiel unterhalte.

Bei Heimspielen darf der Turmfunk ins Stadion. Ein großes Privileg!

Gepaart mit den vielen englischen Wochen ist das schon ein nicht unerheblicher Arbeitsaufwand, auch wenn wir im Turmfunk nicht mehr auswärts fahren, sondern von zu Hause aus kommentieren. Was zeitlich vielleicht ganz geil ist, aber der Flair und das Besondere fehlen halt komplett.

Wenn der Körper nicht mehr mitmacht

Seit ich selbständig und älter geworden bin, merke ich, dass ich sehr anfällig bin für Krankheiten, wenn ich mir Existenzsorgen mache. Vor zwei Jahren waren es die wiederkehrenden Erkältungen gefolgt mit schlimmen Rückenschmerzen und im Dezember 2020 hatte ich Probleme mit meinem Magen und Darm.

Natürlich habe ich mich erst mal nicht darum gekümmert, bis es über Weihnachten schlechter wurde und ab Neujahr völlig eskalierte. Einen Arzttermin zu bekommen war relativ schwer und so hab ich erst Mitte Januar die wahrscheinliche Diagnose Dünndarmentzündung erhalten. Darauf folgten noch zwei schreckliche Wochen, bis die Medikamente wirkten.

Erst jetzt bin ich wieder so richtig fit, obwohl ich mir doch für 2021 viel vorgenommen habe und schon über Weihnachten und Neujahr vorarbeiten wollte, komme ich jetzt erst dazu wieder voll leistungsfähig zu sein. Da einige Kundenprojekte sich aufgestaut haben, habe ich es auch nicht zu bloggen geschafft.

Was soll 2021 bringen?

Ich habe jetzt einen Großteil meiner Selbständigkeit versucht irgendwelche großen Ideen in die Welt zu setzen und dabei oft meine vorhandenen Projekte schleifen lassen. Vielleicht ist es an der Zeit den Spieß umzukehren und die oben aufgezählten Projekte versuchen zu pushen und zu monetarisieren, um darüber den Erfolg zu erzwingen.

Ich möchte versuchen, dass ich die Projekte, die ich bisher noch hauptsächlich kostenlos oder als Werbezweck mache, zumindest ein bisschen monetarisiere. Diese Projekte kosten mich über die Hälfte der Zeit und bringen meist nur Geld, wenn ich dadurch einen Auftrag generiere. Generiere ich aber zu viele Aufträge, habe ich zwar Geld, aber es passiert dann beispielsweise wochenlang nichts auf dem Blog.

Hoffentlich bald wieder motivierter

Ich habe immer gehofft, dass ich das alles irgendwie querfinanzieren kann, aber das geht einfach nicht mehr lange gut. Deshalb werde ich in den nächsten Tagen eine Steady-Seite für alles anlegen und Einzelspendenmöglichkeiten schaffen. Um Mehrwert zu generieren und Unterstützungen zu rechtfertigen, werde ich nicht nur versuchen vermehrt zu bloggen, sondern auch nützliche Tools erstellen. Eventuell erhält man dann als Supporter*in Werbefreiheit oder ähnliches. Das muss ich mir noch überlegen.

Wenn ihr aber Ideen für (kleine und mittelgroße) Tools wüsstet, die euch das Leben erleichtern würden, dann schreibt es in die Kommentare. Oder, wenn euch sonst noch eine Belohnung einfällt.

Außerdem muss ich mir unbedingt einen besseren Überblick über meine Ausgaben verschaffen. Die Steuerrückzahlung hat mich schon kalt erwischt, muss ich sagen 😀

Ich würde mich freuen, wenn ihr meinen Weg auch im Jahr 2021 begleitet. Denn ohne das ganze positive Feedback in meinem Umfeld, in den Kommentaren aber auch per Mail von euch hätte ich wohl schon längst das Handtuch geschmissen, mir eine bezahlte Anstellung gesucht oder würde dem Amt auf den Sack gehen 😀


Robert von Plötzlich-Selbständig.de Schwarz/Weiß Bild

Ich freue mich von dir zu hören!

Du kommst bei deinem Projekt nicht weiter oder brauchst einen Boost? Dann lass dir von mir helfen zum Beispiel bei:

► Beratung für Selbständige, Gründer & Ideenschmiede
Egal, ob du erste Tipps brauchst. Einmal über deine Idee reden möchtest oder mit mir das Konzept für das nächste Facebook ausarbeiten willst.

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