Welche Unternehmensform ist für mich die richtige?

By | 1. Juli 2016

wahl der unternehmensformÜber die Wahl der Unternehmensform gibt es unzählige Artikel im Internet. Trotzdem bereitet diese Frage Gründern und Selbständigen immer wieder Kopfzerbrechen. Ich werde wie immer keine Musterlösung in meinem Blogeintrag anbieten können. Allerdings werde ich ein paar wichtige Punkte nennen, über die du dir zumindest Gedanken machen solltest. Anschließend durchleuchte ich die möglichen Unternehmensformen anhand der Fragen.

Obligatorisch möchte ich erwähnen, dass dieser Beitrag keine Rechts- oder Steuerberatung darstellt.

Welche Punkte sollte ich bei der Wahl der Unternehmensform beachten?

  •  Gründe ich alleine oder mit Partnern?
  • Wie sieht die Finanzierung meines Unternehmens aus?
  • Mit wie viel Umsatz plane ich in den ersten zwei Jahren?
  • Welche Haftungsrisiken hat mein Produkt / meine Dienstleistung?

Einzelfirma nur etwas für einsame Wölfe?

Eine Einzelfirma oder ein Einzelunternehmen muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Firma klein ist. Es bedeutet lediglich, dass das Unternehmen in jedem Fall inhabergeführt ist. Auch Mitarbeiter einstellen ist hier genauso möglich, wie bei jeder anderen Gesellschaftsform. Nur wenn du Anteile deiner Firma veräußern möchtest, fällt diese Option sofort weg.

Ein großer Vorteil dieser Unternehmensform ist die enorme Flexibilität und der verhältnismäßig geringe Verwaltungsaufwand. So muss keine doppelte Buchführung betrieben werden (außer bei einem Umsatz > 600k€ oder Gewinn > 60k€) und die Kosten für den Jahresabschluss entfallen ebenfalls. Deshalb kann auch kein fremder Unternehmer im Handelsregister nachsehen, wie viel Geld du in den letzten Jahren erwirtschaftet hast.

Diese vermeintliche Intransparenz könnte jedoch den ein oder anderen Kunden skeptisch werden lassen. Finanzkräftige Auftraggeber schrecken schon mal vor kleinen Firmen zurück mit der Angst, dass diese die Aufgabe nicht bewältigen können. Hier hat sich meiner Erfahrung nach ein professionelles Auftreten nach Außen bewährt gemacht. Das heißt eine vernünftige E-Mail-Signatur, Briefpapier, Visitenkarten, Homepage und Social-Media-Kanäle.card-36777_1280

Wozu ich auch raten würde um professioneller dazustehen ist die (freiwillige) Beantragung der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr). Wenn du diese nicht besitzt, weiß jeder sofort, dass du einen sehr geringen Umsatz generierst. Auch wenn Buchhaltung manchmal nervig ist, muss man mit der (freiwilligen) Umsatzsteuerpflicht gezwungenermaßen seine Ausgaben regelmäßig im Blick behalten. Was nicht nur für den Auftraggeber, sondern auch für dich als Selbständiger gut ist.

Als Einzelfirma haftest du für Fehler deiner Firma mit deinem privaten Vermögen. Wenn dieser Punkt für dich eine psychische Belastung darstellt, solltest du deine Betrachtungsweise ändern. Zum einen gibt es die Privatinsolvenz, so ist man im Worst Case nicht sein ganzes Leben lang im „Arsch“. Zum anderen hat ein Geschäftsführer einer Kapitalgesellschaft viel umfangreichere Pflichten, gegen die er verstoßen kann. Da hilft ihm dann die ganze Haftungsbefreitheit nichts. Dazu werde ich aber später noch darauf eingehen.

Eingetragener Kaufmann (e.K.) als Kompromiss?

Als Einzelfirma ist es ebenfalls möglich sich in das Handelsregister eintragen zu lassen. Dann ist man ein eingetragener Kaufmann. Allerdings gibt es so gut wie keinen Vorteil gegenüber der Einzelfirmierung und kostet zusätzlich noch Gebühren. Warum man diesen Schritt geht ist für mich nicht ganz nachvollziehbar. Der ein oder andere denkt vielleicht, dadurch kann er seinen Firmennamen besser schützen als ohne e.K. – was ich aber so nicht unterschreiben würde. Das ist aber ein Thema für einen Blogeintrag in der Zukunft.

Ist die GmbH oder die UG (haftungsbeschränkt) die eierlegende Wollmilchsau?

Bild: Pixelrausch / Wikimedia

Bild: Pixelrausch / Wikimedia

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) ist zugegebenermaßen auf den ersten Blick die attraktivste Unternehmensform. Aber auch sie ist nicht der heilige Gral. Für den Start in die Selbständigkeit ist sie oftmals eine Nummer zu groß, was Kapital- und Organisationsaufwand betrifft. So müssen zu Beginn mindestens 12.500€ in Form von Kapital oder Gütern eingezahlt werden. Der Notar kostet einen dreistelligen Betrag und zum Jahresabschluss wird eine Bilanz fällig. Hier fallen ebenfalls Kosten an.

Gründet man alleine und erwartet nicht einen mittleren fünfstelligen Umsatz im Jahr würde ich diese Option nicht in Betracht ziehen. Deshalb hat sich der Gesetzgeber die UG (haftungsbeschränkt) ausgedacht. Da viele mit einem geringen Anfangskapital die Unternehmensform Limited (Ltd.) gewählt haben, wollte man in Deutschland etwas ähnliches anbieten. Dank dem Brexit sollte man zukünftig sowieso vorsichtig sein, was die Gründung einer Limited angeht.

Aber auch die Unternehmergesellschaft (haftungebeschränkt) sollte nicht unreflektiert als Heilsbringer angesehen werden. Zwar benötigt man theoretisch nur einen Euro als Stammeinlage, doch auch das hat natürlich einen Haken. Mit einer niedrigen Stammeinlage könnte bei jeder größeren Anschaffung eine verschleppte Insolvenz drohen. Dafür kann wiederum der Geschäftsführer haftbar gemacht werden. Übertrieben gesprochen ist bei einer Stammeinlage von nur einem Euro die Anschaffung eines Lochers für drei Euro schon strafbar. Außer du finanzierst ihn fremd bzw. erhöhst das Stammkapital.

Und auch für die UG (haftungsbeschränkt) wird ein Notar und eine Jahresbilanz benötigt, was zusätzliche Kosten verursacht.

Das ist mir die beschränkte Haftung aber wert!

Das Argument, dass man sich die Kosten für den Vorteil der beschränkten Haftung gerne leistet höre ich sehr oft. Vor allem Software-Entwickler haben meines Erachtens eine ziemlich unbegründete Angst, dass sie Regressansprüche fürchten müssen. Ich habe das für meine Firma RegSoft so gelöst, dass ich mir die zusätzlichen ~300€ für eine Bilanz inkl. Veröffentlichung im Bundesanzeiger spare und dafür lieber eine Berufshaftplichtversicherung abgeschlossen habe.

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Gründer haben oftmals die unbegründete Angst vor Regressansprüchen.

Versteht mich nicht falsch, ich will euch die Unternehmensform der GmbH / UG gar nicht madig machen. Denn in einem Punkt ist die Haftungsbeschränktheit wirklich Gold wert: Wenn man mit mehreren Personen gründet. So haften Investoren oder Mitgründer tatsächlich nur mit ihrer Einlage. Dadurch können finanzkräftige Investoren am Unternehmen beteiligt werden, ohne dass sie um ihr Imperium fürchten müssen, falls du deine Idee an die Wand fährst. Darüber hinaus können Anteile fair und transparent aufgeteilt werden. Das war auch ein Grund für uns die ANTE-Solutions GmbH zu gründen, obwohl die ersten Jahre nicht unbedingt Umsatz daraus zu erwarten ist.

Kommanditgesellschaft (KG) versus Aktienunternehmen (AG)

Eine Kommanditgesellschaft unterscheidet sich im wesentlichen durch die Haftbarkeit zu der GmbH/UG. So muss in der KG mindestens ein Komplementär auch mit seinem Privatvermögen haften (theoretisch – siehe unten). Das ist natürlich bei der Kapitalbeschaffung über Bankenfinanzierung nicht ganz unwichtig. Bei einer GmbH wird es vermutlich schwer einen Kredit von einer Bank zu erhalten der höher als die Einlage ist. Während bei einer KG die Sicherheit für die Bank größer ist. Was die Haftung betrifft würde ich im Gegensatz zum Einzelunternehmen als privater Komplementär tatsächlich ein bisschen unruhiger schlafen.

Steuerlich hat man als Teilhaber einer KG den Vorteil, dass man wie ein Einzelunternehmer jederzeit Kapital aus der Gesellschaft ziehen kann. Im Gegensatz zur GmbH, bei der man sich ein Gehalt zahlen oder die Gewinnausschüttung abwarten müsste.

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Wer gleich hoch hinaus und womöglich viele Anteile in Streubesitz bringen möchte kann auch ein Aktienunternehmen (AG) gründen. Hier haften Investoren ebenfalls nur mit ihrer Einlage. Andererseits wird ein relativ hohes Startkapital von mindestens 50.000€ benötigt. Zusätzlich ist der organisatorische Aufwand einer AG enorm hoch, vor allem was die Folgepflichten betrifft. Deshalb möchte ich nicht großartig weiter darauf eingehen. Wer diesen Schritt wagen möchte, sollte sich noch den ein oder anderen Gedanken mehr darüber machen.

Das Witzige an diesen beiden Unternehmensformen ist, dass diese auch irgendwie mit der GmbH gekoppelt werden können. Dann kommen solche Konstrukte wie die GmbH & Co. KG oder die GmbH & Co. KGaA  heraus. Dadurch ist es dann doch wieder möglich die Haftung zu beschränken. Anstatt einer Privatperson ist in diesen Konstrukten der Komplementär eine GmbH. Ganz schön gewitzt von den Rechtswissenschaftlern.

Warum nicht einfach eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)?

Aufgrund ihrer Einfachheit ist die Unternehmensform der Gesellschaft bürgerlichen Rechts in vielen Bereichen sehr beliebt. Ohne Notar und sonstigen Schnickschnack können sich beliebig viele Gesellschafter zusammenschließen und quasi auf einem Bierdeckel ein Unternehmen gründen.

Wer zuvor schon Angst wegen der Haftung hatte sollte tunlichst die Finger von der GbR lassen. Hier haften alle Gesellschafter grundsätzlich gesamtschuldnerisch. Nimmt also ein Mitgesellschafter ohne dein Wissen ein Kredit für die GbR auf und verspielt diesen anschließend in Las Vegas hast du ein Problem. So kannst du zwar deinen Geschäftspartner verklagen, der Kreditgeber kann dich allerdings trotzdem zur Zahlung verdonnern.

Eine Ausnahme bildet hier lediglich die GbR in Form eines Immobilienfonds. Deshalb wird die GbR im Immobilienbereich gerne genutzt. Auch weil es steuerliche Vorteile bringt. In diesem Bereich kenne ich mich jedoch zu wenig aus. Deshalb gehe ich diesbezüglich nicht näher ins Detail.

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Welche Unternehmensform ist für mich nun die richtige?

Ein richtiges Fazit zu ziehen ist schwierig und am Ende musst natürlich du selbst mit der Entscheidung leben können. Deshalb solltest du alle Informationen berücksichtigen und dann selbst entscheiden, ob du lieber rational oder emotional entscheiden möchtest. Eine kleine Hilfe zur Entscheidungsfindung möchte ich auch mit folgender (vereinfachten) Infografik geben:

Infografik - Wahl der Unternehmensform

2 thoughts on “Welche Unternehmensform ist für mich die richtige?

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