All or Nothing – Was wir Selbständige von Football-Teams lernen können

By | 4. August 2017

Football Quarterback

Vor ungefähr einem Monat habe ich die Amazon-Serie All or Nothing auf Amazon Prime entdeckt. In der achtteiligen ersten StaffelWerbung geht es um die Saison 2015 der Arizona Cardinals, einem Profi-Football-Team in den USA.

Nun interessiere ich mich seit ich zu Studienbeginn von meinen Freunden genötigt wurde den Super Bowl zu schauen für diese Sportart. Aber selbst, wenn man nur ein bisschen sportbegeistert ist oder gerne den Weg einer Mission verfolgt, lohnt sich die Serie ungemein. Erst dachte ich, dass ich sie eh nicht zu Ende schauen werde und schlussendlich habe ich sie übers Wochenende förmlich verschlungen. Jetzt ist auch die zweite Staffel herausgekommen. Ich glaube ich weiß, was ich dieses Wochenende mache 🙂

*SPOILERALARM* Ich denke, dass ich nicht zu viel verrate. Aber trotzdem muss ich das ein oder andere Beispiel herauspicken. Das sollte den Serienspaß aber nicht vermiesen.

Im Laufe der Folgen sind mir immer wieder Parallelen zu meiner Selbständigkeit durch den Kopf gegangen, die ich euch jetzt gerne abstrahiert präsentieren möchte.

Seine Stärken bei der (Unternehmens-)Strategie berücksichtigen

Die amerikanischen Sportarten haben ein ganz anderes Transfersystem für Spieler als wir. Vor jeder Saison gibt es einen so genannten Draft, in dem sich die größten Talente befinden. Die Mannschaften dürfen sich ähnlich wie früher am Pausenhof in acht Runden jeweils einen Spieler aussuchen.

Hier gilt es als Mannschaft also schon vor der Saison zu evaluieren, für welche Position am dringendsten eine junge Verstärkung nötig ist und ob der gedraftete Spieler das Zeug hat, sofort dem Team weiterzuhelfen oder noch Entwicklungszeit benötigt.

Die Cardinals haben in der Saison unbedingt jemanden fürs Laufspiel benötigt und dahingehend diesen Spielertyp am meisten gescoutet. Doch es kam, wie es kommen musste und ihr Wunschspieler wurde von einem anderen Verein weggeschnappt. Natürlich hatten sie einen Ersatzspieler zur Hand. Doch dieser ist umstritten und eigentlich in der aalglatten Liga NFL verbrannt, da er im College mit Marihuana erwischt worden war.

Kein Verein würde einen Pick für einen Spieler verschwenden, der nicht 100% ins Profigeschäft passt. Außer die Cardinals. Denn sie kennen ihre größte Stärke: Ihr unangepasster Coach, der es immer wieder schafft, aussortierte Stars und Talente in ein Team zu integrieren. So wurde das umstrittene Talent sofort zu einem wichtigen Führungsspieler.

Diese Stärke kommt auch unter der Saison zur Tage. Hier darf, ich glaube bis Mitte der Saison, jederzeit ein vertragsloser Spieler ins Team geholt werden. Fällt also ein Stammspieler aus und man hat auf den Ersatzbänken (ein NFL Team hat riesige Kader, teilweise drei oder mehr Mannschaften) keinen vergleichbaren Ersatz, wird auf dem freien Spielermarkt zugeschlagen.

Hier hat mich am Meisten folgende Szene beeindruckt: Der Teammanager hat eine Liste von rund 2.000 freien Spieler vorgestellt, die täglich aktualisiert wird. Fällt ein Spieler aus, haben sie gleich 2-3 Kandidaten, die sie anrufen können in der Hinterhand. Einmal wurde ein Spieler in der Nacht vor Thanks Giving angerufen und er ist sofort in den Flieger gesprungen um bei der Morgeneinheit am Feiertag dabei zu sein. Als Selbständiger sollte man ebenfalls immer einen Plan B und C im Kopf haben.

Auch in dieser Transferfase haben die Cardinals auf Spieler gesetzt, die ihre Klasse schon nachgewiesen haben, jedoch als schwierig gelten. Und sie wurden immer mit Leistung belohnt.

Realistisches Ziel setzen

Dass Zielsetzung allgemein wichtig ist, muss ich glaube ich keinen mehr erzählen. Doch die richtige Zielsetzung ist entscheidend. Hier kann man so viele Fehler machen. Sind die Ziele zu lasch gesteckt, wird sich nicht angestrengt. Sind sie zu hoch gesteckt, verliert man die Motivation bzw. gibt frustriert auf.

Im Team ist das Ganze noch einmal dynamischer. Erzähle ich meinem Team, dass das Ziel lautet den Super Bowl zu gewinnen und es bekommt die ersten Spiele auf den Sack oder merkt schlimmstenfalls schon im Training, dass die Kollegen Nieten sind, bin ich als Führungskraft (Trainer / Teammanager) geliefert. Doch die Cardinals haben sich als Verein über Jahre hinweg immer ein Stück gesteigert und sind zuvor nur knapp im Super Bowl gescheitert. Das Ziel, das Ding endlich zu gewinnen, war also nicht vermessen. Das hat auch das Team gespürt und sich nur noch auf das Erreichen des Super Bowls fokussiert.

Sich täglich zu motivieren

Klar könnte man jetzt das Stammtischniveau auspacken und sagen, die verdienen haufenweise Geld, da kann man schon einmal am Tag zwei Stunden trainieren. Freilich ist es nicht so einfach. Die Leistungsspitzen in dieser Liga sind so enorm hoch, dass ohne ständiges Training am Limit die Profikarriere schnell vorbei ist. An Team-Erfolg ist dann erst gar nicht zu denken. Das ist den Spielern sicherlich auch bewusst, aber trotzdem sind das auch nur Menschen, die sich vermutlich wie wir alle gerne in ihren Komfortzonen verkriechen.

Motivations-Post-It auf dem Just do it stehtEs ist trotzdem reiner Wahnsinn, wie viel Fokus auf Motivationsmaßnahmen gelegt wird. Täglich gibt es eine Besprechung, die schon viele motivierende Elemente beinhaltet. Die einzelnen Mannschaftsteile arbeiten ihre Sessions jeweils noch einmal davor und danach inklusive Motivation auf. Es gibt motivierende Traditionen innerhalb des Teams (beim Sieg nehme ich Plätzchen mit usw.) und natürlich wird sich testosterongesteuert unter dem Training, während des Spiels und in der Kabine motiviert.

Das ist vermutlich auch nötigt. Diese Art der Motivation funktioniert aber vermutlich hauptsächlich im Sport. Geschäftlich würden mich wohl meine Mitstreiter einweisen lassen, wenn ich nach dem Scrum-Meeting einen Kreis bilden lasse und brülle „wir machen sie FERTIG!!!!“.

Trotzdem hat mich der Fokus auf die Motivation und die Auswirkung auf die Ergebnisse – man hat sofort gewusst, dass sie das nächste Spiel nicht gewinnen, wenn unter der Woche der Fokus weg war – bis heute ziemlich nachdenklich zurückgelassen. Ist Motivation DER Schlüssel zum Erfolg?

Vor allem als Selbständiger muss man sich immer selbst motivieren. Es ist selten, dass das mal ein Kunde, Investor, Mitarbeiter oder Mitstreiter übernimmt. Warum auch? Aber sich selber motivieren ist enorm schwer, zumindest habe ich immer das Gefühl, dass ich mit mehr Motivation mehr erreichen könnte. Und das schreibe ich jetzt um 22:18 Uhr, weil ich ungefähr 6h im Büro gebraucht habe, mich zu motivieren, mal mit irgendwas anzufangen, obwohl ich mir vorgenommen habe, aufgrund der Hitze morgen mal wieder früher ins Büro zu kommen.

Niederlagen & Fehler akzeptieren und aus ihnen lernen

Eine Szene, die mir ebenfalls im Gedächtnis geblieben ist, war die aus einem Spiel, in dem gar nichts lief. Ein Spieler hat immer wieder Fehler begangen, die dem Team massivst geschadet haben. Der Spieler war völlig von der Rolle. Irgendwann ist der Quarterback zu ihm hingegangen und hat gemeint, dass er nichts daran ändern kann, wie es gelaufen ist. Er soll auf die Uhr schauen, durchatmen und wenn der Zeiger auf der 55 ist, fängt ein neues Kapitel an.

Klar hätte er ihm auch einen Motivationskalender schenken können, so flach ist dieser Tipp. Aber es hat das professionelle Denken über Fehler bei einem Profisportler sehr gut aufgezeigt.

Ein Schwarzweißbild von einem Football-Spieler der nach einer Niederlage auf dem Boden kniet

Ebenso legen Profiteams sehr hohen Wert darauf, ihre Spiele im nachhinein zu analysieren um die gemachten Fehler wieder und immer wieder zu besprechen und Lösungen zu präsentieren, wie man es hätte besser machen können. Wenn man sich mit Leistungssport beschäftigt, ist es tatsächlich erstaunlich, wie selten es vorkommt, dass ein Spieler einen krassen Fehler zwei Mal in seiner Karriere macht.

Wie viel Zeit nimmst du dir nach Abschluss eines Projekts um deine Fehler aufzuarbeiten? Vermutlich geht das auch bei dir im Alltag unter, weil schon gleich die nächste Aufgabe wartet.

Weiter, immer weiter

All or Nothing – Beim Football geht es nur darum den Super Bowl zu gewinnen. Alles oder nichts eben. Von 32 Mannschaften haben am Ende 31 Mannschaften überspitzt gesagt ihr Saisonziel verfehlt. So fühlt man sich auch manchmal als Selbständiger. Entweder man gewinnt sein Projekt oder es scheitert. Zwar gibt es dazwischen Grautöne. Aber normalerweise möchte man sich nicht mit weniger zufrieden geben, als mit seinen gesteckten Zielen.

So bleibt nichts anderes übrig, als aufzugeben oder aus seinen Fehlern zu lernen und es nächstes Mal besser zu machen. Und ich hab mir sagen lassen, wenn man sein Ziel erreicht, ist die Titelverteidigung fast noch eine größere Herausforderung. Aber das ist ein anderes Thema 🙂

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