Frühausteher-Challenge Tagebuch #3 – Experiment gescheitert

By | 29. September 2016

muede

In meiner Frühaufsteher-Challenge wollte ich nachprüfen, ob ich ein besserer und produktiverer Mensch dadurch werden kann. Mein müdes ich hat sich dann entschlossen, den roten Knopf zu drücken. Aber lest selbst.

Montag, 26. September 2016 – Tag 8

05:15 – Es ist wie ein schlechter Traum. Keine Ahnung, wieso ich mir das antue. Snooze-Taste ist leider keine Option, ich war ja gestern Abend zu schwach, meinen Rucksack zu packen.

05:50 – Man hab ich lange gebraucht um zu duschen und den Rucksack zu packen. Ich kann mich auch gerade auf nichts konzentrieren.

05:55 – Ab aufs Rad, mein Knie schmerzt wie die Hölle.

06:05 – Knie hat drei Mal geknackst, jetzt ist der Schmerz verflogen. Der Hass auf die Welt wird auch weniger.

06:15 – Im Büro angekommen, verfalle ich erst einmal wieder in alte Muster und surfe im Internet. Eigtl. soll der Vorteil des Früh aufstehens ja sein, dass man ausgeschlafen drei Stunden voll durchpowert.

06:40 – Ich beginne mit der Code-Konzeption, die ich gestern machen wollte.

07:55 – Ich habe eine Stunde für eine Arbeit gebraucht, die wohl effektiv 20 Min. gedauert hätte. Mein Hirn ist matsch.

08:00 – Ich arbeite den Praktikanten in das Videoschnittprogramm ein und lasse ihn die Turmfunk-Highlights schneiden.

09:00 – Ich schalte den Marketing-Newsletter für 14:00 scharf.

12:37 – Die letzten Stunden habe ich mit vielen kleinen organisatorischen Aufgaben, Gesprächen und kurzen Telefonaten verbracht. Gefühlte Produktivität: 0. Kann aber auch eine Warnehmungssache sein. Es folgt Mittagessen.

14:42 – Endlich habe ich Zeit und Lust den Tagebucheintrag #2 für die Frühaufsteher-Challenge fertig zu schreiben.

15:20 – Ein längeres Telefonat steht an.

15:55 – Erste Ergebnisse des Newsletters begutachten. Sieht eigtl. sehr gut aus. Am Ende haben 35% der Leute den Newsletter geöffnet und sich nur drei Leute ausgetragen.

17:41 – Letzter Feinschliff für den Blogeintrag ist erfolgt, jetzt noch auf den sozialen Medien veröffentlichen.

18:05 – Ich verlasse das Büro. Auf meiner Arbeitszeituhr stehen zwar 5:28h „produktive“ Arbeit. Aber das war bis auf den Blogeinrag irgendwie alles nur organisatorischer Kram. Total ernüchternd. Wenn man nur noch am organisieren ist, muss man halt einfach so viel verdienen, dass man sich einen leisten kann, der dann auch „arbeitet“ … Aber das muss ich irgendwann einmal in einem anderen Blogeintrag analysieren.

18:25 – Auf dem fünf km andauernden Berg sehe ich beim Schulterblick ein E-Bike anfahren. Der überholt mich nicht. Ich trete eifrig in die Pedale.

18:35 – Halb tot holt er mich doch noch 700 m vorm Ziel ein, biegt dann aber zum Glück in einen Hof. Ich schnaufe um mein Leben, fahre den Rest in Schrittgeschwindigkeit und komme gerade noch so zu Hause an.

18:40 – Noch „schnell“ meine Wäsche in die Maschine schmeißen. Dann schaff ich es um kurz nach acht ins Bett.

18:55 – Ich finde mich auf mysteriöser Weise vor dem PC wieder. Ach ja Wäsche, Mensch!

20:15 – Die Wäsche ist immer noch nicht fertig. Wenn es ein für mich zugeschnittenes Folterinstrument gibt, dann Müdigkeit und eine Waschmaschinenuhr die rückwärts läuft.

20:30 – Wäsche aufhängen und kurz noch Facebook checken.

21:00 – Ich hab mich verchattet und mir fällt ein, dass ich den Newsletter zur letzten Woche noch gar nicht rausgesendet habe. Jetzt ist’s auch schon Wurst, dann mach ich das halt auch noch schnell.

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21:15 – Endlich lieg ich im Bett. Voller Sorge, wie anstrengend wohl mein Morgen morgen wird.

22:05 – Ich schlafe ein.

Dienstag 27. September 2016 – Tag 9

05:15 – Das kann nicht wahr sein. Das fühlt sich niemals wie sieben Stunden Schlaf an. Alle Schlafforscher dieser Welt sagen, sieben Stunden langen easy beasy um ausgeschlafen zu sein. Ich wittere eine Verschwörung.

05:35 – Zwei Mal Snooze-Taste später ab unter die Dusche usw.

06:05 – Es ist bezüglich Autoverkehr tatsächlich ein himmelweiter unterschied, ob man vor oder nach sechs Uhr morgens unterwegs ist. Als würde pünktlich um 6:00 ein Algorithmus die Autos auf die Straße schicken.

06:25 – Im Büro angekommen, fühle ich mich ziemlich schwach. Erst einmal einen Kaffee.

06:45 – Hilft nichts, noch einen Kaffee. Wirklich produktiv war ich bisher nicht. Reiß dich zam Robert.

kaffee-hilft-nicht-gegen-muedigkeit

06:58 – Ich nehme mir einen Bug auf Stadion-News vor. Ist es nur für mich der reinste Horror, uralten Code wieder anfassen zu müssen oder geht das anderen Programmierern auch so?

08:00 – Ich bereite mich auf das Meeting heute Vormittag für die (noch nicht angekündigte) App vor.

08:42 – Die Agentur ruft an, irgendwas stimmt mit meinem Code nicht. Der Fehler ist aber schnell gefunden.

15:13 – Es folgen Telefonate, Organisatorisches und das lange Meeting. App Fertigstellung wohl März 2017… Eigentlich wollten wir sie vor Weihnachten herausbringen. Aber egal. Die Ankündigung erfolgt allerdings auch bald. Haltet die Ohren offen 😉

16:30 – Ich konnte noch einen weitere Verbesserung in Stadion-News einbauen. Einmal im Code drinnen, fluppt es.

16:43 – Nach einem letzten Telefonat versuche ich Schluss für heute zu machen. Ich möchte mich noch eine Stunde aufs Ohr hauen, damit ich das Dortmund-Spiel sehen kann.

17:15 – Ich steige aufs Rad. Die letzte halbe Stunde habe ich mit dem Dyma (Werkstudent) verplappert.

17:45 – Daheim angekommen schmeiße ich die Jeans in die Waschmaschine, vermeintlich bleibe ich ja heute länger auf.

18:00 – Nur noch schnell was auf Facebook schauen. Dann schlafen und während des Dortmund-Spiels den Challenge-Blogeintrag schreiben, damit ich das nicht morgen im Büro machen muss.

19:00 – Aus „kurz Facebook“ wurde mehr, jetzt aber auf die Couch.

19:30 – Kann nicht schlafen, bin aber total kaputt. Ich werde wohl heute auf Fußball und den Blogeintrag pfeifen und gleich um 20:00 ins Bett gehen.

19:45 – WTF die Waschmaschine läuft immer noch.

20:15 – Wenigstens die Vorberichterstattung noch anschauen: Kein Bild. Vermutlich ist die Satellitenschüssel kaputt, weil jemand entweder alle Kabel herausgerissen oder die Nachbarin die Kabel mit dem Auto abgefahren hat.

20:45 – Wäsche aufhängen, Bett.

21:45 – Ich schlafe ein.

22:30 – Ich wache auf, weil mein Mitbewohner sich etwas zu Essen macht und es sich anhört, als würde er das genau neben meinem Ohr tun.

23:30 – Ich schlafe erneut.

Mittwoch, 28. September 2016 – Tag 10

05:05 – Der Wecker klingelt. Jetzt langt es, die Challenge kann mich mal, ich stelle ihn auf sieben Uhr.

06:30 – Ich wach langsam von selbst auf, die Kirchglocke läutet zwei Mal und ich weiß, ich kann noch eine halbe Stunde schlafen. Traumhaft.

einhorn07:00 – Der Wecker klingelt erneut, die Vögel zwitschern, Einhörner trinken aus der Regenbogenpfütze vor meinem Fenster es ist awesome.

07:30 – Ab aufs Rad. Um die Uhrzeit bin ich noch nie ins Büro geradelt. Ich weiß jetzt auch, dass ich das nie wieder tun werde. Der Berufs- und Schulverkehr ist die Hölle. Es müssen gefühlt 25 Mio. Menschen in Regensburg wohnen.

07:45 – Relativ ausgeschlafen mache ich mich gleich an weitere Änderungswünsche für die Agentur. Das geht recht flockig von der Hand.

08:15 – Der PC des Praktikanten muss lange Updates installieren. Er fragt mich was er tun kann. Er wird in die hohe Kunst der Kaffeemaschinen Entkalkung eingewiesen.

09:15 – Es beginnt ein Telefonmarathon, den ich nicht erwartet habe. Projektinformationen die eigentlich nach und nach von unterschiedlichen Personen fließen könnten und sollten kommen gerade Schlag auf Schlag auf mich zu. Gott sei Dank bin ich ausgeschlafen 😉

12:30 – Essen

13:45 – Ich schreibe diesen Blogeintrag bis hierher und führe nebenbei remote eine Serverwartung durch.

19.30 – Es wurde leider nicht besser am Nachmittag. Im Kundenprojekt war es relativ stressig. Aber da muss man durch. Und wieder kann ich nur sagen, Gott sei Dank war ich ausgeschlafen.

19:45 – Ich steige aufs Rad. Langsam aber sicher kommt auch die Kondition wieder zurück und ich muss nicht mehr unbedingt befürchten tot vom Rad zu fallen.

20:10 – Daheim angekommen versucht Achmet die Satellitenschüssel zu reparieren. Tatkräftig unterstütze ich ihm beim heraussuchen von Kabelbindern. Wie sich herausstellt war die Aktion leider vergebens.

20:45 – Wir schauen Bayern-Atletico auf dem Livestream. Es ruckelt so vor sich hin.

22:45 – Bett

Endfazit

Normalerweise bin ich ehrgeizig genug meine Challenges durchzuziehen. Aber das ist absolut nicht mein Ding. Wenn ich jede Folter überstehen könnte, aber nicht Schlafentzug. Ok, Hunger ist auch noch kritisch.

Am meisten an dem Konzept des früh aufstehens stört mich, dass man „verlorene“ Zeit viel schlechter einholen kann als umgekehrt. Wenn man nicht diszipliniert sofort anfängt, Aufgaben zu erledigen, kann man das Abends nicht reinholen, weil man sich nicht mehr konzentrieren kann. Der Tipp, dass man lieber Abends Sport machen soll, ist auch Hohn und Spott, weil man nach 14h auf den Beinen nicht einfach noch zum Joggen anfangen kann.

Aber alle Probleme hätte man wohl nicht, wenn man dann pünktlich um 14 Uhr Feierabend gemacht hätte und nicht wie ich um 18-19 Uhr. Ich habe auch schon einmal Schicht gearbeitet und bin damit eigentlich auch ganz gut zurecht gekommen. Wenn man aber nicht aufstehen muss, dann ist es noch einmal um einiges schwerer sich zu motivieren. Da hat leider auch die Challenge nichts geholfen, obwohl ich im privaten Umfeld durchaus positives Feedback erhalten habe.

Auf jeden Fall fällt das Fazit wie so oft aus: Jeder, wie er es am besten hält. Für mich ist das (extrem) frühe Aufstehen nichts. Ich versuche am Wochenende noch die Zeit zu finden, Statistiken zur Challenge zu erstellen. Aber das hängt davon ab, wie gut ich morgen beim Kundenprojekt vorankomme oder ob ich am WE in die Verlängerung gehen muss 🙂

Noch einmal nachlesen?

2 thoughts on “Frühausteher-Challenge Tagebuch #3 – Experiment gescheitert

  1. Tombloggt

    Moin Robert,

    danke erst einmal für Deinen Kommentar auf meinem Blog.

    Tja, das mit dem Frühaufstehen ist nichts für Jeden. Für mich ist es übrigens auch nichts. Wobei, Du bist ja bei Deiner Challenge „erst“ um 5:00 morgens aufgestanden. Um diese Uhrzeit bin ich als Lokführer oftmals schon auf Arbeit. Sprich, spätestens 3:30 klingelt dann bei mir der Wecker. Nicht schön… Aber, dies gehört nun leider auch zu meinem Job dazu.

    Was ich vor einiger Zeit, als ich Urlaub hatte, einmal versucht hatte, war Folgendes:

    – sobald ich morgens so einigermaßen wach war, egal zu welcher Uhrzeit, stand ich auf -> das war meistens so zwischen 7:30 und 9:30 morgens gewesen
    – anschliessend ging ich mit unserer Hund ein Runde Gassi -> so ca. halbe Stunde
    – danach tat ich etwas Produktives -> in dem Fall hatte ich an meinem Blog oder an meiner Nischenseite oder an meinen Büchern gearbeitet bzw. geschrieben
    – zwischendurch hatte ich was gegessen
    – sobald ich wieder müde wurde, das war meistens so zwischen 14 und 16 Uhr, ging ich wieder ins Bett
    – dort schlief ich dann ca. 2 Stunden, bevor ich wieder ohne Wecker wach wurde
    – von 16 bzw 18 Uhr ( je nachdem, wann ich mich hingelegt hatte ) war ich wieder produktiv beschäftigt -> meistens mit den oberen Sachen, bzw. mit dem Hund draussen gewesen
    – manchmal hatte ich dann Abends auch TV ( mit meiner Frau ) geschaut
    – spätestens gegen 22 Uhr bzw. 23 Uhr war ich dann so müde geworden, dass ich ins Bett ging und der Rythmus von vorn los ging

    Ich denke mal, so wie ich es gehandhabt hatte, ist es der normale Bio-Rythmus eines Menschens.
    Früher hatten die Menschen bis auf den Hahn auch keinen Wecker gehabt. Erst mit der Neuzeit kam die Uhr und infolgedessen der Wecker. Der Wecker bzw. Uhrzeiten laufen völlig gegen die Natur eines Lebewesens. Wir Menschen sind die einzigen Lebewesen auf diesen Planeten, welche sich mit der Zeit solch einen Stress machen. Nicht gut.

    Von daher finde ich all die Online-Business Sachen, welche derzeit aus dem Boden spriessen, sehr gut. Denn sie geben uns Menschen die Möglichkeit sehr entspannt und unabhängig von der Zeit, sowie sogar vielleicht von Orten, zu leben und zu arbeiten.

    Viele Grüsse

    Tom

    Reply
    1. Robert Post author

      Hallo Tom,

      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar.
      Ein Grund für mich, selbständig zu werden war, einen Tagesablauf wie von dir beschrieben zu haben. Aber wie du sicherlich an dir selbst merkst, ist es verdammt schwer, passives Einkommen zu erwirtschaften.
      Also habe ich nun auch den ein oder anderen Kunden. Und dann wird es wieder schwer mit einem Tagesablauf, der nicht der Norm entspricht.

      Reply

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